Assen: Die Uhr kennt keine Ausreden
Ein Vorsprung aus dem Qualifying ist noch kein Sieg. In Assen entschieden 221 Tausendstel über Platz eins – und zwei Fahrern genügte eine einzige gewertete Finalrunde zum Klassensieg.

Ein Vorsprung aus dem Qualifying ist noch kein Sieg. Eine schnelle Runde keine Garantie. Beim fünften Lauf der German Time Attack Masters in Assen reichten 221 Tausendstel, um zwei Wochenenden unterschiedlich enden zu lassen. Und zwei Fahrern genügte eine einzige gewertete Finalrunde zum Klassensieg.
GERMAN TIME ATTACK MASTERS · LAUF 5 · ADAC HANSA RACING DAYS · 11.–13. SEPTEMBER 2026
0,221 Sekunden. Beim Lesen ist diese Zeit längst vergangen.
Für Alexander Tatarschuk und Eugen Tomm lag darin die Entscheidung eines Rennwochenendes. Zwei Mitsubishi, zwei Fahrer, derselbe Anspruch: in Assen ganz nach vorn. Im Qualifying hatte Tomm die bessere Antwort. Sein Evo 7 war 0,142 Sekunden schneller als Tatarschuks Evo 9.
Doch im Time Attack lässt sich ein Vorsprung nicht verteidigen, indem man dem anderen die Tür zuhält. Man muss die schnelle Runde erneut fahren.
Im Finale gelang das Tatarschuk besser. 1:54,953 Minuten. Tomm blieb 221 Tausendstel dahinter. Michael Göpfert komplettierte im Evo 6 RS das Club-4WD-Podium.
So wenig kann fehlen. So viel kann daran hängen.
Schnell gewesen reicht nicht
Der TT Circuit Assen verlangt auf 4,555 Kilometern mehr als einen starken Motor. Eine Runde muss zusammenpassen. Ein guter erster Abschnitt hilft wenig, wenn später die Zeit liegen bleibt. Und die Bestzeit aus dem Qualifying steht zwar auf dem Papier – im Finale beginnt die Arbeit trotzdem von vorn.
Das erlebte auch Jürgen Oehler. Im Extreme-Qualifying hatte er seinen Porsche GT3 Cup 992 mit 1:41,729 Minuten an die Spitze gesetzt. Ioannis Smyrlis fehlten im Porsche Cup fast eine Sekunde.
Im Finale kehrte sich das Verhältnis um.
Für Smyrlis verzeichnet die Zeitnahme eine einzige Runde: 1:44,645 Minuten. Sie brachte ihm den Klassensieg. Oehler blieb mit 1:45,433 Minuten um 0,788 Sekunden zurück. Amari Kirsch wurde im Porsche 911 GT3 Cup Dritter.
Die schnellste Qualifying-Runde hatte Oehler. Den Sieg nahm Smyrlis mit.

Eine Runde, die genügt
Noch schneller ging es bei den Superlights zu. Peter Elkmann fuhr im Performer bereits im Qualifying 1:35,365 Minuten – die schnellste Zeit der vorliegenden Ergebnisblätter.
Auch sein Finale lässt sich auf eine Zeile verdichten: eine erfasste Runde, 1:36,862 Minuten, Platz eins.
Dahinter änderte sich die Reihenfolge. Rudolf Schöflinger schob sich im Nova Proto vor Jan Schwarzer im Performer. Matthias Kaul wurde im Ligier JS51 Vierter, Philipp Luck im Ligier JS53 EVO II Fünfter.
Auf dem Ergebnisblatt sind das nüchterne Positionen. Für die Beteiligten steckt darin die Antwort auf eine sehr persönliche Frage: Was bekomme ich aus mir und meinem Auto heraus, wenn es zählt?


Acht Klassen, achtmal ganz nach vorn
Auch Nico Seifried musste liefern. Bei Club 2WD gewann er im VW Scirocco BTS mit 0,576 Sekunden Vorsprung auf Ilian Petrov im Renault Mégane 4 Trophy-R. Andrew Pringle erreichte im Hyundai i30N Platz drei.
Bei Club NA setzte sich Thomas Herzig im Toyota GT86 durch. Kai Kleinert im Honda Civic EP3 und Dominik Wolk im Subaru BRZ folgten auf dem Podium.


Andreas Lanz gewann Pocket Rocket im Toyota Corolla AE86. Dahinter überholte Leonie German im Honda Civic EE9 in der Ergebnisreihenfolge Daniel Dimitrov im Toyota MR2: Im Qualifying war Dimitrov noch Zweiter gewesen, im Finale gehörte dieser Platz German.
Amari Kirsch entschied die Supercar-Klasse im Porsche 911 GT3 für sich. Christian Mittendorfer im Honda NSX und Robert Rutkowski in der Corvette C7 Z06 komplettierten das Podium.
In der Pro-Klasse blieb Ronne Kerst im BMW M2 G87 vorne. René Thielmann wurde im Mazda MX-5 NA Zweiter. Peter Schickmann rückte im Nissan Skyline R34 GT-T gegenüber dem Qualifying von Platz fünf auf Platz drei vor.
Acht Klassensieger. Und dahinter Fahrer, deren Wochenende sich mit einer Platzierung allein kaum erzählen lässt.

Fünf Sekunden sind eine Ewigkeit
Wie empfindlich das Ergebnis auf Fehler reagiert, zeigte sich bei den Tracklimits. Andrew Pringle, Matthias Weller und Noel Muschik erhielten jeweils fünf Strafsekunden.
Für Weller und Muschik bedeutete das Rang fünf statt rechnerisch Rang vier in ihrer jeweiligen Klasse.
Während an der Spitze um Zehntel gekämpft wurde, kamen hier ganze Sekunden hinzu. Die schnelle Runde muss eben auch innerhalb der Grenzen bleiben.
Niemand fährt allein bis hierher


Im Cockpit sitzt ein Mensch. Ein Rennwochenende trägt er deshalb noch lange nicht allein.
Vorbereitung, Abstimmung, Organisation und Zeitnahme gehören genauso dazu wie das Fahren. In Assen lagen allein für das Qualifying 54 Fahrzeuge auf den Listen. Hinter jeder Startnummer standen ein eigener Aufwand und ein eigener Grund, überhaupt hier anzutreten.
Das macht Time Attack auch für Menschen interessant, die keine Rundenrekorde auswendig kennen. Man muss keinen Mitsubishi von einem Ligier unterscheiden können, um diesen Wunsch zu verstehen: etwas besser hinzubekommen als zuvor. Noch einmal anzutreten. Herauszufinden, was möglich ist.

Die Uhr zeigt anschließend, wie schnell jemand war.
Was es gekostet hat, dort hinzukommen, passt in keine Ergebnisspalte.
Sportliche Angaben: offizielle Qualifying- und Finalergebnisse des Veranstalters. Die veröffentlichten Ergebnisblätter stehen unter dem Vorbehalt der technischen Prüfung und sportgerichtlicher Entscheidungen.